Oculus GO Test / Review

Der Kauf meiner Oculus GO war fast reflexartig, als Anfang Mai 2018 auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 die Oculus GO vorgestellt wurde. Bisher hatte ich nur mit Spar-VR Varianten, wie Google Cardboard oder einfachen Plastikschachteln für Smartphones herumexperimentiert.

Der Kauf einer richtigen VR-Brille für den PC, wie einer Oculus Rift oder HTC Vive, hat mich nicht nur wegen der Kosten lange Zeit abgeschreckt, sondern auch wegen des immensen Aufwands an Hardware und Verkabelung.

Jetzt gibt es eine VR-Brille, die alle erforderliche Hardware implementiert hat. Kein reinbasteln eines Smartphones oder anstöpseln irgendwelcher Kabel ist erforderlich und das zu einem Preis, der einem durchaus fair vorkommt für das, was einem geboten wird.

Vorweg kann ich sagen, ich habe es nicht bereut und verwende die Oculus GO fast täglich um diverse Apps auszutesten. Dabei beschränkt sich die Nutzungszeit meist auf 45 min bis 1,5 Std. am Stück. Danach hat man in der Regel auch genug und benötigt eine Pause, denn je nach Empfindlichkeit und verwendeter Apps, kann sich gelegentlich Unwohlsein einstellen…

Auch Familienmitglieder und Freunde kann man einfach daran teilhaben lassen, denn die Brille ist schnell weitergereicht und da man nichts justieren oder einstellen muss und das Kopfband in der Regel auch kaum nachjustiert werden muss, geht das alles sehr flott.

Der Tragekomfort

Der Tragekomfort ist ausreichend gut. Das VR-Headset ist natürlich auch nicht dafür konzipiert einen ganzen Tag getragen zu werden. Dadurch, dass man an den Linsen nichts verstellen kann, wird vermtl. der Seheindruck sehr individuell sein. Es bedarf ein wenig Gewöhnung, bis man herausgefunden hat, dass ein wirklich scharfes Bild nur in der Linsenmitte abgebildet wird. Sobald man nach unten oder oben „schielt“ wird es unscharf, das fällt besonders bei Schriften und starken Kontrasten auf. Das Sichtfeld liegt bei 100° und damit ähnlich, wie bei der Oculus Rift und Playstation VR. Das erzeugt einen gewissen Tunnelblick, aber das ist derzeit immer noch Stand der Technik in dieser Preisklasse. Für Brillenträger gibt es noch einen Abstandshalter, der aber oftmals nicht benötigt wird. Steht man z.B. vor einer hellen Fensterfront, kann es passieren, dass störende Lichtreflexe das Seherlebnis trüben, da die Brille im Nasenbereich nicht vollständig abschließt, vermtl. auch um eine gewisse Luftzirkulation zu ermöglichen.

Die Darstellungsqualität und der Sound

Bei qualitativ hochwertigem Content ist die erzielbare Darstellungsqualität ausgesprochen gut. Bei hochauflösenden 360°-Panoramen oder Spiele-Apps die mit hoher Auflösung gerendert werden, ist das Bild scharf und man hat auch in der Ferne eine gute Darstellung. Das liegt an der für diese Preisklasse doch schon recht ordentlichen Auflösung von 2560 x 1440 Bildpunkten. Das Pixelraster ist wahrnehmbar, aber nicht störend. Wichtig ist halt, dass man mit dem Kopf schaut und nicht mit den Augen, die müssen am besten immer in der Mitte zentriert schauen.

Als gelungen möchte ich die Soundimplementierung betrachten. Ohne umständlich irgendwelche Stöpsel ins Ohr zu drücken, wird der Sound über eine art Kanal in Richtung Ohren geleitet. Das ist zwar keine HiFi-Qualität, aber ausreichend gut und sehr schön räumlich, dass man keine extra Kopfhörer benötigt. Der integrierte Sound lässt sich über Tasten am Headset oder auch über das Menü regulieren. Ein wenig Nachteilig ist, dass jeder um einem herum genau mitbekommt, was man hört. Wenn das nicht gewollt ist, kann man aber auch extra Kopfhörer an der 3,5mm Buchse anschließen.

Das Mittendrin-Gefühl

Die Oculus GO erlaubt im Prinzip nur 3 Freiheitsgrade, im Gegensatz zu den großen VR-Lösungen, die auch eine Bewegung im Raum ermöglichen. Für viele Anwendungen reicht es aber völlig aus und wenn die virtuelle Kopfposition mit der Höhe der eigenen realen Kopfposition übereinstimmt, z.B. beim Stehen in einer Landschaft, dann hat man ein sehr gutes Mittendrin-Gefühl. Man kann nach oben und unten schauen und sich um die eigene Achse drehen. Alles wir absolut ohne Verzögerung dargestellt. Ich habe oft den Drang verspürt einfach drauf los zu laufen in der virtuellen Welt. Auch der Controller, der gut in der Hand liegt, wird in vielen Apps hervorragend implementiert. Es ist problemlos möglich schnell und intuitiv zu zielen und auszuwählen, auch das funktioniert ohne sichtbare Verzögerung.

Einrichtung und Apps

Nach der ersten Einrichtung der Oculus GO, wofür ein Benutzerkonto bei Oculus erforderlich ist, befindet man sich in einer anpassbaren virtuellen Startumgebung mit schwebenden Menüs und Bildschirmen. Hier startet man in der Bibliothek seine bereits installierten Apps. Neue Apps kann man direkt mit der Brille im Store beziehen und installieren, oder auch mit der zwingend erforderlich gekoppelten Iphone- oder Android-App von Oculus.

Beim Testen ist mir aufgefallen, dass es sich bei vielen Apps wohl um Portierungen von Samsung Gear VR-Apps handelt, da vielfach noch nicht zu 100% auf den Oculus GO Controller zurückgegriffen wird und teilweise die Darstellungsqualität nicht dem maximal Möglichen entspricht. Ich denke, hier wird es zukünftig speziell optimierte Versionen für die Oculus GO geben.

Hier Eine Auswahl der besten Apps für die Oculus Go.

Fazit

Wer schon immer mal in eine virtuelle Welt eintauchen wollte und bisher den technischen Aufwand oder die sehr hohen Kosten gescheut hat, für den ist die Oculus GO der ideale Einstig in VR. Dabei soll die Oculus GO gar nicht als Ersatz für die „großen“ VR-Headsets wie Rift und Vive gelten, sondern man kann es eher als Ergänzung sehen. Als Anwendung sehe ich hauptsächlich Casual-Games oder auch mal ein Video oder 360°-Panoramen. Dafür muss man nicht seinen Highend-PC anschmeißen und benötigt auch nicht die ultimativ realistische Grafik-Darstellung.

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Pros

  • vergleichsweise günstig
  • keine Kabel
  • einfache Handhabung
  • gute Bildqualität
  • schon recht gutes Softwareangebot

Cons

  • Sichtfeld könnte etwas größer sein
  • Unschärfe an Schriften, sobald man nicht exakt in die Mitte schaut.
  • Laufzeit mit ca. 2 – 2.5 Std. etwas gering

 

Autor: Markus Hohenwald

Markus interessiert sich für kreative und technische Themen wie Fotografie, Astronomie, Filmen, Heimwerken, Heimkino und Musik-Produktion.

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