Testbericht Playstation 3

Lange hatte ich darauf gewartet, enttäuscht war ich über die vielen Verzögerungen. Besorgt war ich darüber, zum Launchtag eine PS3 abzubekommen. Doch nun ist alles gut…

599,- € ist eine menge Geld und sicherlich für Kiddys, die darum Ihre Eltern anbetteln müssen, eine harte Nuss. Doch wenn man genau hinsieht, was man für diese 599,-€ bekommt, muss man den hohen Preis relativieren.

Sony hatte damals mit der PS2 ansatzweise den Anfang gemacht. Die PS2 war der erste bezahlbare DVD-Player und hat die PS2 zu Ihrer Zeit schon zu mehr als einer reinen Spielkonsole gemacht.

Die Krönung ist nun die PS3. Für Europa kommt Sie mit schon überarbeiteter Hardware und gereifter Firmware, die man sich nach dem anschließen ans Internet gleich laden sollte. Das Debakel mit kaum lieferbarer Hardware hat man uns Europäern vorbildlich erspart. Quasi überall gab und gibt es die PS3 zu kaufen.

Was bekommt man nun für seine 599,-€? Auf jeden Fall einen größeren Gegenwert als bei der Konkurrenz. Fährt die Hardware bei Nintendo bereits Gewinne ein, so muss SONY jedem Kunden ein Geschenk in Form von allerfeinster, subventionierter Hi-Tech Hardware machen.

Als erstes ist da natürlich die ursprüngliche Spielkonsole. Die PS3 hat den z.Zt. modernsten Mehrkernprozessor eingebaut, der bei richtiger Programmierung durch die Spielentwickler aktuelle Mehrkern-PCs weit hinter sich lässt. Dazu feinste Grafikhardware von NVIDIA. Bei all der Hardwarepower ist es SONY meisterlich gelungen die Lüftergeräusche sehr leise zu halten, auch von der Festplatte oder dem Blu-Ray Laufwerk hört man so gut wie gar nichts. Wie bei Konsolen-Neueinführungen üblich, sind die Starttitel qualitativ und performancemäßig noch nicht ganz ausgereizt. Einen Vorgeschmack auf die Qualität zukünftiger Spieletitel zeigen Motorstorm und Resistance: Fall of Man. Um diese Spiele voll genießen zu können, benötigt man allerdings ein entsprechendes Ausgabegerät. Ein 81cm LCD-Fernseher mit HDMI sollte es schon mindestens sein. Einfach genial wird es über einen HD-Beamer. Ich verwende einen schon etwas älteren Panasonic PT-AE500, den ich mit 1080i von der PS3 aus per YUV befeuere. Das bedeutet, die PS3 schickt ein Bildsignal von 1980×1080 Pixel und der Beamer interpoliert auf seine 720p-Auflösung von 1280×720.

Das Ergebnis ist ein detailliertes, knackscharfes Bild, welches allerhöchsten Ansprüchen gerecht wird.

Ein Grund für die starke Verzögerung der Markteinführung, war SONYs bestreben in der PS3 ein Blu-Ray Laufwerk zu verbauen. Eine Blu-Ray Disc speichert bei den gleichen Ausmaßen einer DVD bis zu 50GB Daten bzw. Film. Eine HD-DVD der Konkurrenz speichert max. 30GB. Diese Kapazität wird für zukünftige, immer anspruchsvollere Spiele erforderlich sein. Die hohe Kapazität ermöglicht auch das speichern hochauflösender Filme. Man muss es selber gesehen haben und wird sofort den Unterschied zu einer DVD bemerken. Gerade mit einem 720p Beamer bekommt man superscharfe und farbkräftige Filme geboten.

SONY möchte die PS3 nicht nur als Spielekonsole und Blu-Ray-Player verstanden haben. Die PS3 kann noch mehr. Durch die eingebaute 60GB Festplatte, eingebauten Speicherkartenleser und USB-Anschlüssen kann man quasi alles was Bild oder Musik-Dateien liefert an die PS3 anschließen und darauf abspeichern. Die intuitive Steuerung der PS3 durch die so genannte XrossMediaBar ermöglicht ein schnelles navigieren durch alle Medien, wie Fotos, Musik Videos, Spiele, Internet, usw. Es gibt verschiedene Darstellungsmodi für Bilder. Von einer simulierten Dia-Schau bis zum animierten heruntersegeln von Bildern auf ein imaginäres Transportband. Für die Musikwiedergabe ist ein mp3-Player eingebaut, der auf Wunsch hübsche Visualisierungen synchron zur Musik einspielt. Filme lassen sich nicht nur über Blu-Ray schauen, man kann sich z.B. Filme auch aus dem Internet laden. Es sind einige sehr hübsche PS3-Trailer in HD-Auflösung im Sony-Store kostenlos runterzuladen.

Was bei der PS2 gar nicht, oder nur stiefmütterlich durch SONY Beachtung fand, war das Internet. Bei der PS3 ist das Internet quasi zwingend erforderlich, will man alle Aspekte der PS3 ausnutzen. Die Verbindung funktioniert entweder direkt über LAN, am besten an einen Router oder per eingebauten WLAN. Die Konfiguration sollte auch Laien gelingen und schon steht einem die große weite WWWelt offen. Schnell ist ein Onlineaccount angelegt und man kann seine PS3-Freunde die ebenfalls online sind, seiner Freundesliste hinzufügen. Nun kann man jederzeit sehen, wann seine Kumpels online sind, welches Spiel sie gerade spielen, um evtl. in ein Online-Spiel mit einzusteigen oder selber zu einem Spiel einzuladen.

Natürlich kann man auch mit dem eingebauten Web-Browser durchs Internet surfen, dazu schließt man am besten eine USB-Tastaur und Maus oder sogar eine Bluetooth-Tastatur an. Das navigieren durch Webseiten funktioniert allerdings auch erstaunlich gut mit den PS3-Controllern oder der PS3-Fernbedienung.

Im SONY eigenen Online-Store kann man kostenlose Inhalte wie Filme und Spiele runterladen, oder auch kleine Add-Ons und ganze Spiele kaufen. In Zukunft wird SONY diesen Onlinestore sicherlich gewaltig mit Bezahlinhalten aufblasen. Eine Kreditkarte ist dafür erforderlich.

SONY hat noch einiges im Petto, wie z.B. die virtuelle Online-Welt „Home“, die ähnlich wie Second Life aufgebaut sein wird. Auch neue innovative Spiele wie LittleBigWorld, die Familientauglich sind und mit vier Spielern gleichzeitig gespielt werden können, werden für viel Unterhaltung sorgen. Dazu aufgefrischte Klassiker, wie SingStar, die voll online eingebunden werden. Es bleibt spannend und ich schaue fast täglich in den Online-Store, ob es was Neues gibt. SONY wird sicherlich dafür sorgen, dass einem nicht langweilig wird…

Gibt es auch Negatives zu berichten? Die Europäische PS3 ist mit der aktuellen Firmware schon sehr ausgereift, auch ein grossteil der alten PS2-Spiele laufen, aber halt nicht alle. Das mag für einige ein Manko sein, aber das ist nicht endgültig, da an der weiteren Kompatibilität gearbeitet wird und immer wieder Firmwareupdates zur Verfügung gestellt werden.

Viel Leistung kostet viel, vor allem Strom und das ist ein großer Nachteil der PS3, da Sie um die 180Watt an Leistung zieht. Man sollte also tunlichst darauf achten, die PS3 bei nicht Verwendung auszuschalten. Schön wäre eine Funktion zum automatischen Runterfahren, nachdem die Download-Liste abgearbeitet wurde. Für die Verwendung als MP3-Player und auch zum bedienen von CDs wäre ein kleines Display am Gehäuse sinnvoll, damit man nicht immer gleich den Beamer anschmeißen muss, um Musik zu hören.

Abschließend bleibt zu sagen: Wer die PS3 „nur“ zum spielen nutzen möchte, lässt die eigentlich innovativen Features der PS3 brach liegen. Dafür ist die PS3 zu teuer. Wer sich aber auf das Konzept des Multimedia-Centers fürs Wohnzimmer einlässt, erhält in der Summe der Funktionen eigentlich ein Schnäppchen.

Autor: Markus Hohenwald

Markus interessiert sich für kreative und technische Themen wie Fotografie, Astronomie, Filmen, Heimwerken, Heimkino und Musik-Produktion.