Testbericht Logitech Harmony 655

Auspacken und Haptik:

Im Lieferumfang befindet sich die Fernbedienung, ein Installationshandbuch, eine Software-CD, ein USB-Kabel für den Anschluss der Fernbedienung an den PC und 4 AAA-Batterien.

Nach dem einlegen der Batterien wird man von der Fernbedienung auf dem grafischen LCD-Display begrüßt und man kann eine Demo und ein kleines Tutorial ablaufen lassen. Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, könnte aber für den Preis ein bisschen wertiger erscheinen. Einige Tasten ragen für meinen Geschmack etwas zu weit aus dem Gehäuse hervor, so dass man einen etwas wackeligen Eindruck beim betätigen hat. Die Tasten am Display sind wiederum recht kurz und eng, so dass man diese eher mit dem Fingernagel oder dem Zeigefinger der anderen Hand betätigen muss, da man sie nicht sicher mit dem Daumen betätigen kann.

Software:

Die Fernbedienung lässt sich nur mittels PC und aktiver Internetverbindung konfigurieren, dessen sollte man sich vor dem Kauf unbedingt bewusst sein. Wem das zu umständlich ist, oder wem lange Onlinezeiten zu kostspielig sind, sollte lieber die Finger von der Harmony lassen.

Die mitgelieferte Installations-CD beinhaltet die benötigte Harmony Remote-Software in der Version 4.1. Mann kann diese somit gleich entsorgen und die Version 4.4 oder aktuellere Versionen direkt von der Harmony-Web-Seite herunterladen. Der Web-Download ist 23 MB groß.

Nach der Installation der Software wird es Zeit, sich auf der Harmony-Web-Seite zu registrieren. Die Anmeldung ist etwas holperig und nicht so aufgebaut, wie man es von anderen Seiten gewohnt ist, bei denen man einen neuen Account anlegt. Ich hatte bei der Anmeldung das Feld für das Kennwort leer gelassen, welches auch prompt ohne Fehlermeldung übernommen wurde, d.h. ich habe ein leeres Kennwort für meinen Account, da muss man erst mal drauf kommen.

Das Harmony Internet-Konfigurier-Utility wird als ActiveX-Contol geladen, welches der InternetExplorer erst einmal blockt. Ein großer roter Pfeil weist auf diesen Umstand hin. Das ewige bestätigen nervt ein wenig. Um das leidige bestätigen des ActiveX-Control-Fensters zu umgehen, empfiehlt es sich die Seite member.harmonyremote.com in die Vertrauenswürdigen Sites aufzunehmen und alle ActiveX-Aktionen für diese Zone zuzulassen.

Fernbedienung konfigurieren:

Nachdem man die Anmeldeprozedur hinter sich hat, kommt man direkt zu der Konfiguration.

Man gibt an, ob man TV, Receiver, Kabelbox, PVR, Satellitenempfänger, Videorekorder, CD-Player und Spielekonsole besitzt. Bei der Auswahl auf weitere Geräte bekommt man eine wirklich erstaunlich erweiterte Kategorienliste mit teilweise exotischen Dingen wie Klimasteuerung und Beleuchtungssteuerung, natürlich nur alles auf Infrarotbasis. Dort finde ich auch die für mich wichtige Projektoren-Kategorie. Die Herstellerliste hinter den Kategorien kann man nur als sehr umfassend bezeichnen. Ich möchte nicht wissen, wie lange Logitech für diesen Datenbestand recherchiert hat.

Hat man seine Kategorien gesammelt kommt man auf die nächste Seite für die genaue Modellbezeichnung. Hier war ich besonders gespannt auf meine Exoten, ein SEG-LCD TV vom Penny mit der sinnfreien Bezeichnung LCD TV 5100 und meine Sagem D-Box 2, die von bisherigen Universal-Fernbedienungen nie richtig berücksichtigt wurde.

Ich war wirklich erstaunt, dass alle meine Geräte auch nur ohne einzige Nachfrage zumindest im Datenbestand erkannt wurden.

Zu früh gefreut, den SEG TV hat das System dann doch nicht erkannt, sondern fordert zur Datenanalyse auf, dazu werden ein paar angeforderte Tastendrücke von der Originalfernbedienung zur Harmony gesendet und anschließend analysiert. Es kommen dann ein paar Gerätenamen zum Vorschlag.

Nach dem abspeichern des Profils, kann man so genannte Aktionen einrichten, eine Art Makroprogrammierung. Hier wird praxisorientiert nachgefragt. Bei der Aktion „Fernsehen“, wird z.B. gefragt, ob die Kanaltaste direkt den Fernseher stellen soll oder den angeschlossenen Kabelreceiver. Bei der Aktion „DVD wiedergeben“ wird gefragt ob der DVD-Player über TV oder über den Projektor laufen soll.

Man kann jederzeit auf seiner Profil-Seite zusätzliche Aktionen konfigurieren. Nach dem abspeichern der neuen Aktion kann man auch den Namen der Aktion selber vergeben.

Der Konfigurationsaufwand, den man betreiben kann, ist immens. Der Vorteil ist, dass man alles bequem am PC erledigen kann. Der Zeitaufwand kann bei komplexeren Geräten, bzw. bei Problemen stark ansteigen. Man ist dabei immer online, dessen sollte man sich bewusst sein. Die Erreichbarkeit der Harmony-Web-Seite ist scheinbar nicht immer gegeben, man sitzt in dem Moment auf dem Trockenen.

Verwenden der Fernbedienung:

Hat man einmal die Konfiguration hinter sich, erfreut man sich recht schnell der einfachen Bedienung. Prinzipbedingt hat die Steuerung der Infrarotgeräte aber einen Haken. Die Fernbedienung kann nur ahnen im welchen Betriebszustand sich die Geräte befinden, da es ja beim senden der Befehle keine Rückmeldung über den geschalteten Status gibt. Hinzu kommt, dass die meisten Geräte zum ein- und ausschalten einen Toggle-Befehl verwenden. Dies Problem versucht die Fernbedienung mit einer Hilfefunktion zu umgehen, indem die Betriebszustände der Geräte abgefragt werden, falls etwas nicht funktionieren sollte.

Wenn man über dieses Manko hinwegsieht, gestaltet sich das steuern der Geräte verblüffend einfach. Als Beispiel, drückt man die Taste „Listen to Music“, so schalten sich Receiver und CD-Spieler ein, sollten andere Geräte vorher eingeschaltet gewesen sein, werden diese ausgeschaltet. Die Volumen-Schalter steuern dann den Receiver, die Channel-Tasten den CD-Spieler. Schaltet man dann auf „Watch TV“ gehen CD-Spieler und Receiver aus und der Fernseher geht an. Über „More Activities“ ruft man zusätzlich definierte Aktionen auf.

Fazit:

Das Konzept geht fast auf. Logitech hat sehr intensiv über das machbare bei Infrarotgebern nachgedacht. Eine gewisse Unsicherheit bei Übertragung komplexer Makro-Ketten besteht, ist aber nicht Logitech, sondern der veralteten Infrarot-One-Way-Technik anzulasten. Der Traum einer Steuerung aller Geräte mit Rückmeldung über geschaltete Zustände z.B. per Bluetooth, ist noch in weiter Ferne. Ich denke, dass die Harmony mit 95% aller Geräte gut zurechtkommen wird. In meinem speziellen Fall habe ich noch ein paar Probleme mit meiner Sagem D-Box mit geflashten Neutrino, dort sind wahrscheinlich noch Anpassungen der Tastenverzögerung vorzunehmen. Alles andere funktioniert reibungslos und ist ein echter Fortschritt gegenüber anderen Konzepten. Somit kann tatsächlich nur noch eine Fernbedienung auf dem Tisch liegen.

Autor: Markus Hohenwald

Markus interessiert sich für kreative und technische Themen wie Fotografie, Astronomie, Filmen, Heimwerken, Heimkino und Musik-Produktion.