Stihl Kärcher AllPro

Akku-Allianz von STIHL & Kärcher: Was ist ALLPRO?

Lange galt STIHL als Paradebeispiel für ein geschlossenes Akku-Ökosystem: eigene Systeme, keine Partner, keine Kompatibilität mit anderen Marken. Das hat sich am 2. Juli 2026 geändert. STIHL und Kärcher haben eine gemeinsame Akku-Allianz angekündigt und mit ALLPRO ein Akkusystem vorgestellt, das künftig in den Profigeräten beider Traditionsmarken steckt. In diesem Beitrag erkläre ich, was ALLPRO ist, welche Akkus und Geräte kompatibel sind, ab wann es losgeht und warum das neue System trotzdem in einer ganz anderen Liga spielt als die bekannten 18-Volt-Allianzen, die ich in meinem Beitrag Welche 18 Volt Akkus sind kompatibel? ausführlich vorstelle.

Was ist die ALLPRO Akku-Allianz von STIHL und Kärcher?

Am 2. Juli 2026 gaben die Vorstandschefs beider Unternehmen, Michael Traub (STIHL) und Hartmut Jenner (Kärcher), in Winnenden den Startschuss für ihre strategische Partnerschaft. Das Ziel: Professionelle Anwender sollen künftig ein einziges Akkusystem für Motorsägen, Garten- und Forstgeräte von STIHL und für Profi-Reinigungsgeräte von Kärcher nutzen können.

Das Kernstück der Allianz ist das von STIHL entwickelte ALLPRO-Akkusystem. Es basiert auf dem bewährten STIHL AP-System für Profis und wird nun erstmals für eine andere Marke geöffnet. Die Allianz tritt unter dem Namen „The New Battery Alliance“ auf und hat mit allpro-alliance.com eine eigene Website.

Bemerkenswert ist die Dimension der Investition: STIHL hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei bis drei Jahren einen „kleinen dreistelligen Millionen-Betrag“ in das neue System gesteckt, Kärcher investiert rund 10 Millionen Euro in die Umstellung. Das zeigt: Hier geht es nicht um eine Marketing-Kooperation, sondern um eine langfristig angelegte Plattform-Strategie.

Warum ist die Allianz zwischen STIHL und Kärcher eine Überraschung?

Wer die Branche verfolgt, dürfte gestaunt haben. Denn STIHL und Kärcher waren zuletzt eher Konkurrenten als Partner: Vor rund zehn Jahren nahm STIHL Hochdruckreiniger ins Sortiment auf, also ausgerechnet das Kernprodukt von Kärcher. Kärcher konterte und erweiterte sein Programm unter anderem um Laubbläser. STIHL-Chef Traub räumte bei der Vorstellung selbst ein, das Verhältnis sei „zeitweise angespannter“ gewesen.

Umso deutlicher ist das Signal: Beim Thema Akku ziehen die beiden schwäbischen Familienunternehmen jetzt an einem Strang. Kärcher-Chef Jenner betonte, die Zusammenarbeit sei „weit mehr als nur eine technische Lösung“. Man wolle die Elektrifizierung professioneller Anwendungen gemeinsam vorantreiben. Immerhin sind heute schon 27 Prozent der weltweit verkauften STIHL-Geräte akkubetrieben, bei Kärcher sogar 40 Prozent.

Welche Spannung hat das ALLPRO-System: 36 Volt oder 40 Volt?

Hier lohnt ein genauer Blick, denn STIHL bedient sich eines Marketing-Tricks, den Leser meines 18-Volt-Beitrags bereits kennen: Auf den Akkus prangt die Aufschrift „ALLPRO 40V MAX“, tatsächlich beträgt die Nominalspannung aber 36 Volt.

Das ist exakt dieselbe Konvention, die in der 18-Volt-Welt regelmäßig für Verwirrung sorgt: Dort werben viele Hersteller mit „20V MAX“, obwohl die Akkus nominal mit 18 Volt arbeiten. Die „MAX“-Angabe bezieht sich auf die kurzzeitige Maximalspannung frisch geladener Zellen, die Nominalspannung auf den tatsächlichen Arbeitswert. Beide Zahlen sind also „richtig“, sie beschreiben nur unterschiedliche Größen. STIHL überträgt diese Praxis nun einfach in die nächsthöhere Spannungsklasse: 36 V nominal = „40V MAX“.

Was kann das neue ALLPRO-Akkusystem technisch?

ALLPRO gliedert sich in zwei Technologie-Klassen:

Die Basis-Klasse bilden die Modelle AP 20.1 und AP 30.1 mit bewährten Standardzellen. STIHL-Bestandskunden kennen sie in ähnlicher Form bereits, jetzt kommen sie im neuen einheitlichen ALLPRO-Design.

Die High-End-Klasse (Performance-Serie) mit den Modellen AP 100.0 P, AP 200.0 P, AP 300.0 P und AP 300.0 PC („Connected“) setzt auf eine sogenannte Tabless-Zellarchitektur. Statt den Strom über eine einzige, hitzeerzeugende Engstelle (den „Tab“) zu leiten, fließt die Energie über die gesamte Zelloberfläche. STIHL vergleicht das mit einer weiten Flaschenöffnung: Je größer die Öffnung, desto schneller fließt die Energie hinein und heraus. Der Effekt: deutlich weniger Innenwiderstand und kaum Hitzeentwicklung. Hitze ist die Hauptursache für Zellalterung.

Was das konkret bringt, zeigt der Herstellervergleich des Topmodells AP 300 P mit einem bisherigen Standard-Akku:

  • 60 Prozent höhere Spitzenleistung
  • 20 Prozent längere Laufzeit
  • Halbierte Ladezeit
  • Verdoppelte Lebensdauer auf bis zu 3.000 Ladezyklen ohne Leistungseinbußen

Dazu kommen laut STIHL-Produktseite eine Schnellladung auf 80 Prozent in nur 9 Minuten (mit dem Schnellladegerät AL 1802 MO) sowie die Schutzart IPX5 gegen Strahlwasser (die Basis-Modelle AP 20.1 und AP 30.1 kommen auf IPX4). Neben dem Schnelllader gehören die regulären Ladegeräte AL 101, AL 301 und AL 501 zum System.

Welche Akkus und Geräte sind mit ALLPRO kompatibel?

Das ist der für die Praxis wichtigste Punkt, und hier steckt der Teufel im Detail, denn die Kompatibilität ist nicht symmetrisch:

Für STIHL-Kunden gilt: ALLPRO ist voll kompatibel mit dem bisherigen AP-System. Wer bereits AP-Akkus besitzt, muss nicht neu investieren. Die vorhandenen Akkus funktionieren weiter und lassen sich sogar in den neuen Kärcher-ALLPRO-Geräten nutzen. Ein Systemwechsel ist nicht nötig.

Für Kärcher-Kunden gilt: ALLPRO ist eine komplett neue Plattform. Die bisherigen Kärcher-Akkus aus dem „Battery Universe“ sind nicht ALLPRO-kompatibel. Kärcher garantiert für die Bestandsgeräte zwar weiterhin vollen Service sowie Ersatzteil- und Akkuverfügbarkeit. Wer aber in die neue Allianz-Welt einsteigen will, braucht neue Akkus.

Im Kern ist die Allianz also eine Öffnung des STIHL-AP-Systems für Kärcher, keine Verschmelzung zweier bestehender Systeme. Innerhalb von ALLPRO soll die markenübergreifende Nutzung laut Allianz-FAQ ohne Leistungseinbußen funktionieren. Garantie und Service bleiben markengetrennt beim jeweiligen Verkäufer.

Wichtig zu wissen: STIHLs übrige Systeme bleiben davon unberührt. Das AK-System für Privatanwender und das AR-System (Rückentrage-Akkus) sind weiterhin geschlossene, untereinander nicht kompatible Plattformen. Daran ändert die Allianz nichts.

Ab wann gibt es die ALLPRO-Akkus zu kaufen?

Der Marktstart erfolgt gestaffelt nach Marke:

  • STIHL: Die neuen ALLPRO-Akkus sind ab dem 1. August 2026 im STIHL-Fachhandel erhältlich.
  • Kärcher: Die neuen Akkus und die dazugehörigen neuen Profigeräte kommen erst zum 1. Januar 2027 auf den Markt.

Für Kärcher-Kunden wird die Allianz also erst mit einem halben Jahr Verzögerung praktisch nutzbar. Insgesamt sollen mehr als 120 Geräte mit denselben Akkupacks betrieben werden können. Das bisherige STIHL-AP-System allein umfasste bereits über 80 Geräte, hinzu kommen nun die Kärcher-Geräte und künftige Partnerprodukte.

Konkrete Preise und die Kapazitäten (Wattstunden) der einzelnen Akkumodelle haben die Unternehmen noch nicht genannt.

Wer kann der ALLPRO-Allianz noch beitreten?

Die Allianz ist ausdrücklich als offenes System angelegt. Neben STIHL und Kärcher sollen weitere Kooperationspartner das ALLPRO-System in ihren Geräten nutzen. Genannt werden bislang Hersteller von Forstwinden, Geräteträgern und mobilen Tankstellensystemen. Konkrete Namen stehen noch aus.

Die Zielgruppen sind entsprechend breit gefasst: Forst, Garten- und Landschaftsbau, Baubranche, Facility Management, Kommunen und sogar Hilfsorganisationen sollen von dem einheitlichen Akkustandard profitieren.

Was unterscheidet ALLPRO von den 18-Volt-Akku-Allianzen wie CAS und AmpShare?

Wer meinen Beitrag Welche 18 Volt Akkus sind kompatibel? kennt, fragt sich jetzt vermutlich: Ist ALLPRO eine neue Alternative zu CAS, AmpShare, der Power for All Alliance oder Power X-Change? Die kurze Antwort: Nein, ALLPRO spielt in einer anderen Klasse. Die Unterschiede im Überblick:

1. Die Spannungsklasse: Die etablierten Allianzen arbeiten mit 18 Volt (bzw. „20V MAX“). ALLPRO ist ein 36-Volt-System („40V MAX“), also eine Spannungsklasse höher. Ein ALLPRO-Akku passt physisch und elektrisch in kein 18-Volt-Gerät und umgekehrt. Wer ein 18-Volt-Ökosystem sucht, findet in ALLPRO keine Option.

2. Die Zielgruppe: CAS, AmpShare und Co. decken vom Heimwerker bis zum Handwerksprofi ein breites Spektrum ab. ALLPRO richtet sich ausschließlich an professionelle Anwender wie Forstbetriebe, GaLaBau-Firmen, kommunale Bauhöfe und Gebäudereiniger.

3. Die Größe: Die etablierten Allianzen haben einen deutlichen Vorsprung. Zum Vergleich:

AllianzInitiatorUmfang
CAS (Cordless Alliance System)Metabo (seit 2018)50 Hersteller, 500 Maschinen
AmpShare (ProCORE 18V)Bosch Power Tools34 Partner
Power for All AllianceBosch Home & Garden11 Marken (u. a. Gardena, Husqvarna)
Power X-ChangeEinhelletabliertes Multi-Geräte-System
ALLPROSTIHL (seit 07/2026)2 Marken, 120+ Geräte angekündigt

4. Das Prinzip ist aber dasselbe: Strukturell funktioniert ALLPRO genauso wie CAS oder AmpShare. Ein Hersteller öffnet sein Akkusystem für Partner, die Kunden profitieren von einem gemeinsamen Standard. STIHL vollzieht damit denselben Schritt, den Metabo 2018 und Bosch mit AmpShare gegangen sind. Nur eben höherspannig, im reinen Profisegment und (noch) mit nur einem Partner.

Und eine Gemeinsamkeit gibt es noch, die zum Schmunzeln einlädt: Die „nominal vs. MAX“-Vermarktung (36 V wird zu „40V MAX“) hat STIHL eins zu eins aus der 18-Volt-Welt übernommen (dort wird 18 V zu „20V MAX“). Manche Dinge ändern sich offenbar nie.

Fazit: Was bedeutet die STIHL-Kärcher-Allianz für Akku-Käufer?

Für Heimwerker und Privatanwender ändert sich zunächst nichts: ALLPRO ist ein reines Profi-System in der 36-Volt-Klasse, und STIHLs Privatanwender-System AK bleibt geschlossen wie bisher. Wer ein markenübergreifendes 18-Volt-System sucht, ist weiterhin bei den vier großen Allianzen aus meinem 18-Volt-Kompatibilitäts-Beitrag richtig.

Für Profis ist die Allianz dagegen eine echte Neuigkeit: Wer ohnehin mit STIHL-AP-Akkus arbeitet, kann ab 2027 dieselben Akkus auch in Kärcher-Profigeräten nutzen. Das ist ein handfester Vorteil bei Logistik, Ladeinfrastruktur und Investitionsschutz. Kärcher-Bestandskunden sollten dagegen wissen, dass ihre bisherigen Akkus nicht in die neue Welt mitwandern.

Und für den Markt insgesamt zeigt die Allianz: Der Trend zu offenen Akku-Plattformen hat jetzt auch den letzten großen Verweigerer erreicht. Wenn selbst STIHL sein System öffnet, dürfte die Zeit komplett geschlossener Akku-Ökosysteme langsam ablaufen.

Stand: Juli 2026. Quellen: Offizielle Presseinformation von Kärcher und STIHL vom 02.07.2026, allpro-alliance.com, stihl.ch/de/allpro, dpa-Berichterstattung (u. a. Handelsblatt, heise online).

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